top of page

Want to get more content like this straight into your inbox? Subscribe to the RevealPilates newsletter and never miss new posts.

Pilates auf der Piste

  • Autorenbild: Carina
    Carina
  • 6. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Meine Familie und ich verbringen gerade einen kleinen Winterurlaub in einer wunderschönen Ecke der österreichischen Berge. Während mein Sohn in der Skischule Skifahren lernt, habe ich selbst Zeit, ein wenig Ski zu fahren. Entgegen dem Klischee, dass alle Österreicher:innen praktisch mit Skiern an den Füßen geboren werden, bin ich nicht mit dem Skifahren aufgewachsen. Ich habe erst später damit angefangen, aber inzwischen würde ich mich aber als ganz ordentliche Skifahrerin bezeichnen. Gut genug jedenfalls, um den Berg zu genießen und nicht einfach nur heil unten anzukommen.


Heute, während ich andere Skifahrer:innen beobachtete und darauf achtete, wie sie sich bewegen (das ist die Pilates-Lehrerin in mir 😉), und anschließend selbst mit verschiedenen Techniken spielte, dachte ich plötzlich:"Das ist ja eine Pilates-Übung".


Als ich meine Schwünge aneinanderreihte, erinnerte mich die S-Form meiner Spur im Schnee an eine Variation des Dolphin am Trapeze Table. Die kontrollierte, fließende Drehung vom Becken und den Beinen von einer Seite zur anderen und der Rhythmus der Bewegung fühlten sich in meinem Körper sehr vertraut an. Genau wie bei dieser Pilates-Übung erfordern auch S-Schwünge auf der Piste Stabilität durch die Körpermitte, während sich Becken und Beine gemeinsam bewegen. Geschmeidig und kontrolliert, aber nicht starr. Sobald ich einmal über diese Parallelen in den Bewegungsmustern nachgedacht hatte, konnte ich sie nicht mehr nicht sehen. Oder nicht mehr nicht fühlen.


Ich begann, immer mehr Bewegungsmuster zu entdecken, die sich in Pilates Übungen wiederfinden. Und das waren nicht nur die konkreten Bewegungen die mir aufgefallen sind, wie zum Beispiel die Rotation von Rumpf und Becken oder die Innen- und Außenrotation der Hüften. Auch die Bewegungsqualität selbst und das Wechselspiel zwischen Stabilität und Mobilität ist mir bekannt vorgekommen. Skifahren fühlte sich plötzlich wie Pilates an. Nur ein bisschen kälter, schneller und mit besserer Aussicht (es sei denn, dein Studio überblickt das Meer 😉).


Pilates auf der Piste

Während ich weiter über verschiedene Übungen nachdachte und darüber, wie ähnlich sich das anfühlte im Vergleich zu dem, was mein Körper auf der Piste leistet, wurde mir wieder einmal bewusst, warum ich Pilates so liebe und schätze. Pilates um des Pilates willen zu machen, kann Spaß machen, aber noch erfüllender ist es, Pilates zu praktizieren, um andere Dinge besser tun zu können.


Wie Skifahren. Oder Laufen. Oder Radfahren, Wandern, Schwimmen. Oder auf den Boden zu kommen, um mit deinen Kindern zu spielen (oder mit Enkelkindern, Nichten und Neffen, Haustieren usw.). Oder Einkäufe zu tragen, über vereiste Gehwege zu gehen oder sich einfach mit mehr Leichtigkeit und Vertrauen im eigenen Körper durch den Alltag zu bewegen.


Diese Idee, dass Pilates uns hilft, uns im echten Leben besser zu bewegen, wurde in meiner letzten Ausbildung bei Polestar stark betont. Seit dieser Ausbildung, achte ich noch viel bewusster darauf, wie sich die Bewegungen, die wir auf der Matte oder an den Geräten üben, über das Studio hinaus übertragen: in Alltagsbewegungen, in sportliche Aktivitäten und in Momente, in denen Anpassungsfähigkeit wichtiger ist als Perfektion. Wahrscheinlich ist mir deshalb die Verbindung beim Skifahren so deutlich aufgefallen.


Und obwohl es eigentlich offensichtlich ist, dass wir trainieren, um uns im Alltag besser zu bewegen, habe ich das Gefühl, dass wir gerade im Pilates diesen Zusammenhang manchmal aus den Augen verlieren. Ich beobachte immer wieder eine Tendenz, sich stark auf bestimmte Choreografien zu fokussieren, auf starre Atemmuster („hier einatmen, hier ausatmen“) oder auf isolierte Übungen, die viel zu oft wiederholt werden, nur um ein Muskelbrennen zu erzeugen.


Nur damit das klar ist: All diese Aspekte können im Pilates ihren Platz haben. Wenn sie jedoch zum alleinigen Fokus werden, verlieren wir möglicherweise das große Ganze aus dem Blick. Niemand fährt einen Berg hinunter, oder geht die Straße entlang, und denkt dabei: Jetzt einatmen, jetzt ausatmen. Bewegung im Leben ist reaktiv, anpassungsfähig und oft wunderbar unperfekt. Genau wie dann, wenn man auf der Piste einen Schwung verpasst und plötzlich am Rücken liegt mit beiden Beinen in verschiedene Richtungen gestreckt.


Pilates ist neben anderen Sachen auch ein Training für das Nervensystem. Joseph Pilates bezeichnete seine Methode als „Corrective Exercise“. Die Übungen helfen dabei, Bewegungsmuster neu zu organisieren und zu verfeinern. Sie schaffen Optionen. Sie fördern Leichtigkeit und Fluss statt Spannung und Kontrolle um der Kontrolle willen. Pilates lehrt dynamische Stabilität, weil nein, ich spanne meine Bauchmuskulatur definitiv nicht die ganze Abfahrt über bewusst an. Und es lehrt Bewegungsintegration: Statt dass ein einzelner Muskel „brennt“, arbeitet der ganze Körper zusammen, um Bewegung mit Leichtigkeit und Freiheit zu ermöglichen.


Auf der Piste denkt mein Körper nicht in Muskeln oder Cues. Er nimmt wahr, passt sich an, reagiert. Genau diese Art von Intelligenz möchten wir auch in einer durchdachten Pilates-Praxis kultivieren.


Wenn Pilates mir auf diese Weise im Alltag begegnet, außerhalb des Studios und ganz ohne Anstrengung, erinnert es mich daran, warum ich Pilates so praktiziere und unterrichte. Es geht mir nicht um perfekte Bewegungen oder zufällige Choreografien um der Choreografie willen. Ich möchte mich einfach besser bewegen. Auf der Matte, auf der Piste und überall dazwischen.

Kommentare


bottom of page